Taekwondo
Geschichtliche
Entwicklung und
philosophische
Aspekte des
TAEKWONDO
Die Geschichte
Der Entwicklung des Taekwondo liegt eine
ca. 2000 Jahre alte Tradition zugrunde, Taekwondo so wie es heute ausgeübt
wird, hat einen langen Weg hinter sich. Taekwondo beschreibt den offenen Hand-
und Fußkampf. Über die eigentliche Entstehung und den Ursprung des offenen
Hand- und Fußkampfes gibt es mehrere Theorien.
Die verbreitetste Theorie führt nach
China. In China gab es viele verschiedene Verteidigungsarten wie Keupso-Chirigi,
Yusal, Bi-Kah-Sool, Soobak und Kwonbob. Die Systeme wurden sehr vom Tang So Doo
System beeinflusst, das wiederum am verbreitetsten in China war.
Die ersten Formen des waffenlosen Kampfes
in Korea waren Soobak und Kwonbob. Soobak war eine primitive Art des Hand- und
Fußkampfes in Korea.
Vor etwa 1300 Jahren war die Halbinsel
Korea in drei Königreiche aufgeteilt.
Die Königreiche bestanden aus Silla,
Koguryo und Baek Je. Silla, das südliche und kleinste Königreich, litt unter
ständigen Überfällen und Bedrohungen durch die nördlichen und westlichen
Königreiche. Unter der Führung des 24. Königs, Chin Heung, wurde eine Elitegruppe
von Offizieren, die aus Adligen und Angehörigen der Kriegerklassen bestand, ins
Leben gerufen. Die Elitegruppe nannte sich Hwa Rang-Do.
Diese Gruppe beherrschte die üblichen
Waffen wie Speer, Bogen, Schwert und Haken.
Ihre große Stärke war aber ihre
körperliche Disziplin und die geistige Kraft die sie in verschiedenen Hand- und
Fußkampfarten beherrschten. Ihre geistige Kraft gewannen sie aus ihrem
Ehrenkodex, der als Leitfaden galt. Der Ehrenkodex bestand aus fünf
Verhaltensregeln, die von einem der bedeutendsten buddhistischen Mönche namens
Won Kang formuliert wurden:
Sei deinem König treu.
Gehorche deinen Eltern.
Verhalte dich deinen Freunden
gegenüber ehrenhaft.
Ziehe dich im Kampf nie
zurück.
Töte gerecht.
Auf der ganzen Insel wurde der Hwa
Rang-Do für seinen Mut und sein Kampfgeschick bekannt.
Selbst die bittersten Feinde bekamen
Respekt.
Der Hwa Rang-Do wurde durch sein Können
zur koreanischen Legende.
Dadurch, daß diese Elitegruppe so tapfer
in jede Schlacht zog, wurde das Volk von Silla inspiriert und erhob sich, um
eine Vereinigung zu erkämpfen. Durch zahlreiche Siege von Silla wurde die
Halbinsel Korea vereinigt.
Der Hwa Rang-Do bediente sich bei seinen
Hand- und Fußtechniken am primitiven Soobak. Soobak wurde in den niedrigen
Volksklassen als sehr beliebt angesehen.
Es war so beliebt, dass im Soobak
Wettkämpfe veranstaltet wurden.
Die Elitegruppe machte aus dieser
Sportart eine nationale Kunst und perfektionierte sie so, daß das alte Soobak
eine völlig neue Dimension bekam.
Durch die Übertragung der Hwa Rang-Do
Grundsätze auf das Soobak wurde daraus eine Kriegskunst gemacht. Von nun an
wurde aus dem alten Soobak das neue Soo Ba Gi. Einige Fußstellungen und
Haltungen wiesen Ähnlichkeit mit dem heutigen Taekwondo auf. Später wurde der
Name Soobak Gi durch die Bezeichnung Hwarang-Do oder Taek Yon ersetzt.
Taek Yon, wie es nun genannt wurde, ging
seinen Weg weiter in Richtung Militär.
Der dritte König der Yi-Dynastie (1401 –
1408) warb Taek Yon-, Sirum- (koreanischer Ringkampf), Steinwurf- und
Bogenschießenexperten an um ein starkes Heer zu bilden. Hieraus resultierte, dass
Taek Yon ein Teil der militärischen Ausbildung in Korea wurde. Doch durch die
Militarisierung der Dynastien ging die Entwicklung und die Philosophie langsam
verloren.
Am Ende der Yi-Dynastie schien die
kriegerische Kampfkunst ausgestorben. Ab 1909 begann die japanischen Besatzung
und das Ende der Kampfkunst.
Die Japaner gaben ein Verbot auf alle
Kampfkünste.
Es gab jedoch unerschrockene, heimlich
agierende Meister die diese Kampfkunst im Hintergrund an eine kleine Anzahl von
Schülern weitergaben.
Das die Kunst am Leben gehalten wurde,
ist Verfechtern wie Song Duk Hi und Han Il Do zu verdanken.
1945 wurde Korea aus der Besetzung
befreit.
Die neue Republik Korea war geboren.
Aus diesem Heer resultierte ein junger
Oberleutnant namens Choi Hong Hi. Dieser Mann ist bis heute der wohl bedeutendste
Mann im Taekwondo.
Nachdem Hi aus der japanischen
Gefangenschaft entlassen wurde, begann er einigen seiner Soldaten die
kriegerische Kunst beizubringen.
Sein Training wurde durch seine
Gefangenschaft der Japaner beeinflusst, das heißt, japanische Techniken und
Methoden flossen mit denen des koreanischen Taek Yon ineinander.
Taek Yon wurde 1950 unter der Leitung von
nun General Choi Hong Hi in Zusammenarbeit mit koreanischen Meistern zu einer
eigenen Kampfkunst bestehend aus vielen Einflüssen und Kampfstilen.
Die Basisentwicklung dauerte von 1950 bis
ca. 1953.
Der endgültige Name Taekwondo entstand
1955 durch einen Ausschuß aus Lehrern, Historikern und hohen Persönlichkeiten.
Die Bedeutung des Namen Taekwondo ergibt
sich aus den drei Silben Tae-Kwon-Do.
Tae steht für Fuß, Kwon steht für Hand
und Do für den Weg oder Kunst.
Zusammengefaßt: Taekwondo beschreibt die
körperliche und geistige Entwicklung.
Die südkoreanische Regierung beauftragte
Hi Taekwondo als Nationalkampfsport einzuführen. Die Kampfkunst wurde schnell
zum koreanischen Volkssport und bald als Pflichtfach an den koreanischen
Militärakademien.
1961 wurde Choi Hong Hi der Präsident der
Korean Taekwondo Assocation (KTA).
1965 wurde eine Abordnung der höchsten
Danträger Koreas aufgefordert, Taekwondo auf der ganzen Welt zu verbreiten.
Am Anfang des Teakwondos von Hi wurde der
Chong-Hun Stil verbreitet.
Es war der perfektionierte Stil, den Hi
und die Gelehrten als Taekwondo hervorbrachten.
Der Chong-Hun Stil basierte auf den 24
Hyongs.
Hyong Formen sind vorgegebene
Bewegungsformen, die mit höher werdender Hyong proportional im
Schwierigkeitsgrad der Techniken steigen.
Eine Form ist eine Art Schattenkampf
gegen imaginäre Gegner, die aus allen Richtungen versuchen anzugreifen. Der
Hyong-Läufer reagiert in Form von schneller, kontrollierter Abwehr und
konsequenter Verteidigung.
Ein großer Faktor des Hyong- oder
Formenlaufens ist die Konzentration und das Gleichgewichtsgefühl.
In der Hyong soll der Ausführende nur
seine Form und seine Techniken durchführen, keine Ablenkung soll diesen Ablauf
stören.
Dies zeigt sich in der Höhe der
Hyong-Form.
Im Gegensatz von der 24. zur 1. Hyong
sind in der 24. Hyong mehr Konzentrations- und Atemübungen als in der 1. Hyong.
Die Hyong-Formen spiegeln die eigentliche
Kampfkunst Taekwondo wieder.
Jede Hyong hat eine Bedeutung und
Philosophie.
Die 24 Hyongs stehen für einen Tag, also
24 Stunden.
Jede Form hat eine Bedeutung wie z.B. die
erste Form, die als Yin Yang – also
Gegensatzform – dargestellt wird oder der letzten, der 24. Hyong, die die
Entschlossenheit darstellt.
Eine spätere und neue Art der Formen
waren die Poomsen.
Während bei den Hyongs auf die einzelnen
Techniken Wert gelegt wurde, war bei den Poomsen der Gesamteindruck und die
flüssigen Bewegungsabläufe ein wichtiger Aspekt.
Die Poomsen waren in acht Schülerformen –
den Taeguks – und neun Meisterformen – den Poomsen – unterteilt.
Auch die Taeguks und Poomsen hatten
philosophische Bedeutungen.
Die erste, Taeguk Il-Chang, symbolisiert
den Himmel, dies ergibt sich durch die Bewegungsabläufe, während die letzte
Meisterform, Il-Yo, die geistige Einheit darstellt.
Die Poomse gilt als Form für sportliche
Wettkämpfe und wurde deshalb schnell integriert und von Verbänden umgesetzt.
Der Freikampf stand natürlich im
Mittelpunkt des Taekwondo.
Wichtige Regeln für den Kampf waren im
Verhalten gesetzt.
Der sogenannte Freikampf diente zum Üben
und teilweise Anwenden der gelernten Techniken. Die wichtigste Grundregel
hierfür war das der Kampfpartner nicht als Gegner oder Feind gesehen werden
durfte. Die Absicht des Freikampfes liegt nicht darin den anderen zu verletzen
oder aus Spaß auf ihn einzutreten, sondern durch Zielgenauigkeit und Technik
den Partner nach Punkten zu besiegen. Natürlich gibt es auch Regeln, die die
Trefferzonen festlegen. Und genau bei diesen Regeln des Frei-Kampfes entstand
ein großer Splitt im Taekwondo.
1966 wird die ITF – International
Taekwondo Ferderation – gegründet. Ihr Präsident war General Choi Hong Hi. Die
ITF führt den Sparring oder Freikampf ohne Kontakt aus aufgrund der
philosophischen Herkunft des Taekwondo laut Hi. Die ITF übte den Freikampf als
reine Bewegungs- und Zielübung aus.
1973 wird die WTF – World Taekwondo
Ferderation – gegründet. Ihr Präsident wird der Korean Taekwondo Präsident Dr. Und
Yong Kim. Bei dieser Gründung werden die Wettkampfregeln für den Freikampf
festgelegt. Die neuen Regeln bestehen auf Kampfweste und Kopfschutz und das
Schlagen mit der Faust zum Kopf wird verboten
.
Und genau da splittet sich der Freikampf
des Taekwondo in ITF und WTF Regeln. Die Regeln der WTF werden von der ITF und
Choi Hong Hi kritisiert und abgelehnt. Für Hi und die ITF ist ein
Vollkontaktwettkampf sinnlos und vertritt nicht die Prinzipien des
traditionellen Taekwondo.
Die ITF führt den Freikampf weiterhin im
Semikontakt durch.
Ab 1973 werden die ersten
Weltmeisterschaften im Vollkontakt ausge-tragen. Die Regeln stellte die WTF.
Taekwondo etablierte sich von einer traditionellen Kriegskunst zu einer
populären koreanischen Sportart.
Dies zeigte sich unter anderem dadurch,
daß 1975 die WTF Mitglied der General Association of the international Sports
wurde. Auch im Formenbereich wurde der Standart und Wettkamfschwerpunkt auf die
Poomse gesetzt.
Durch die Umstellung im Kampf- und
Formenbereich gründeten viele Länder gemeinsam und einzeln einige Verbände, wie
zum Beispiel die African Taekwondo Union oder die European Taekwondo Union.
Diese Unterverbände hielten sich entweder
an das ITF Taekwondo oder das WTF Taekwondo.
Durch die Vielzahl der verschiedenen
Nationen und Verbände wurde Taekwondo weltweit bekannt und so wurde mit starken
Angagement von Dr. Un Yong Kim Taekwondo als Demonstrationssportart 1988 bei
den Olympischen Spielen intrigiert.
Am 04.09.2000 wurde Taekwondo ein
offizieller Teil des Sportprogramms der Olympischen Spiele in Sydney.
Erstmals wird der Westenvollkontakt
Wettkampf olympisch. Die WTF gilt heute als größter und übergeordnetste
Verband.
Die Formen- und Wettkampfmeisterschaften
im Amateur- und Profibereich werden nach den Regeln der WTF ausgeführt.
Philosophische
Aspekte des TAEKWONDO
Philosophisch
gesehen steht Taekwondo für vieles ein.
Nach uralter Tradition soll
jeder Taekwondo Schüler und Meister folgende Prinzipien waren:
Höflichkeit
Integrität
Geduld bzw. Ausdauer
Selbstdisziplin
Unbezwingbarkeit
Fairneß
Menschlichkeit
Konzentrationsfähigkeit
Diese Tugenden sollen im Laufe einer
Taekwondo-Ausbildung ausgereift und als Lebensart genutzt werden.
Diese Tugenden spiegeln das „Do“ im
Taekwondo wieder.
Der Ursprungsgedanke des Taekwondo
basiert auf die Ausrottung des Kampfes.
Das Ende der Unterdrückung der Schwachen,
mehr Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Moral und Weisheit sollen zu einer besseren
Welt beitragen.
Leider sind diese Werte in den letzten
Jahren sehr stark vernachlässigt worden.
Hierfür gibt es natürlich Erklärungen.
Einige Psychologen sehen diese Probleme
aufgrund einer materiellen und korrupten Gesellschaft.
Gerade die Jungen Generationen nutzen
ihre geballte, frustrierte Energie um anderen Schaden zuzufügen, anstatt diese
Energie in konstruktive Kanäle umzulenken.
Um all diesen so genannten Gefahren zu
entgehen, sollte man im Kindesalter beginnen, seinen Körper zu trainieren.
Daraus resultiert auch, daß der Geist mittrainiert wird. Ist der Geist stark,
ist die Versuchung, einen falschen Weg einzuschlagen oder etwas unrechtes zu
tun, sehr gering.
Taekwondo gilt schon lange als ein Sport
und Lebensweg, der diese Art zu leben, zu denken und Gerechtigkeitssinn fördert
mit sich bringt.
Wer richtig Taekwondo trainiert und das
Do verstanden hat, der wird auch mit seiner Umwelt und ihren Problemen fertig
und man wird den Anforderungen gerecht, die von einem erwartet werden.
Damit sind Taekwondo-Sportler keine
besseren Menschen, aber durch das Training und die Disziplin, die so ein großer
Bestandteil dieser Kampfsportart sind, ist der Grundstein für ein positives und
gerechtes Denken gesetzt.
Manche Meinungen gehen sogar soweit, daß
Taekwondo einen Menschen wieder auf den richtigen Weg führen kann.
Ein Beweis dafür, daß Taekwondo einen
guten Weg ebnen kann ist, daß viele hochrangige Großmeister hohe
Persönlichkeiten und erfolgreiche Menschen im alltäglichen Leben sind.
Quellen :
Taekwondo v. Choi Hong Hi
Taekwondo Fachwörterbuch
Geschrieben und verfasst von Michael Jahns mit inhaltlichet Hilfe der aufgeführten Quellen.